Noch vor einer Woche gab es beißende Kritik, diesmal überschwängliches Lob. Das souveräne 3:0 (2:0) von Borussia Dortmund über den VfB Stuttgart verblüffte selbst Trainer Jürgen Klopp.
Seine nach zwei peinlichen Schlappen gegen Udine und Hoffenheim
völlig verunsicherten Profis präsentierten erstmals den
“Vollgas-Fußball”, den der Trainer bei seinem Amtsantritt zu
Saisonbeginn versprochen hatte.
Die wundersame Wandlung seiner
psychisch angeschlagenen und durch Verletzungen gebeutelten Mannschaft
erfüllte ihn mit Stolz: “Man muss bedenken, woher wir kommen. Es ist
noch nicht lange her, da wurden uns Selbstvertrauen und Sicherheit
genommen.”
Drei Tage nach dem 2:1 im DFB-Pokal über Hertha BSC
fand die Borussia auch in der Bundesliga zurück in die Erfolgsspur.
Doch anders als beim glücklichen und glanzlosen Arbeitssieg über die
Berliner überzeugte sie gegen Stuttgart mit hoher Laufbereitschaft und
schnellem Kombinationsspiel.
Enttäuschung bei Veh
Tamas Hajnal (11.), Felipe Santana
(20.) und Alexander Frei (73.) besiegelten die verdiente Schlappe des
zuvor in sechs Spielen unbesiegten Gastes, der ausgerechnet beim
möglichen Sprung an die Tabellenspitze den Nachweis seiner Klasse
schuldig blieb.
Aus seiner Enttäuschung machte Trainer Armin
Veh keinen Hehl: “Wir haben viel vermissen lassen, was ein Spiel in der
Bundesliga ausmacht - Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten,
Ballsicherheit. Und unser Passspiel war eine Katastrophe.”
Der BVB hatte deshalb überraschend leichtes Spiel, um den ersten
Bundesliga-Heimsieg unter Klopp einzufahren. Stellvertretend für die
Trendwende stand Mittelfeldspieler Hajnal: Der zuletzt gescholtene
Neuzugang lief zu großer Form auf und trat nicht nur als Vollstrecker,
sondern auch als Vorbereiter in Erscheinung.Der Ungar sah “eine gute Leistung” seines Teams, “wir sind sehr gut in
Spiel gekommen, waren aggressiv und es freut mich, dass wir in dieser
Höhe gewonnen haben. Ich wurde beim Tor nicht angegriffen, da dachte
ich haue mal drauf. Er ist mir ein bisschen über den Spann gerutscht,
aber dann schön eingeschlagen”, so der Neuzugang vom Karlsruher SC.
Hoffnung für Udine
“Es ist nach den beiden Spielen gegen
Udine und Hoffenheim alles schlecht geredet worden. Deshalb wollte die
Mannschaft Charakter zeigen”, sagte Hajnal.
Urplötzlich erscheint
selbst die eigentlich unlösbare Aufgabe bei Udinese Calcio wieder
lösbar. Nach der deutlichen Leistungssteigerung seines Teams in den
vergangenen Tagen schöpfte Klopp für das UEFA-Cup-Rückspiel neuen Mut:
“Ich denke, dass da was geht. Wenn wir ein Tor machen, bevor es die
Italiener tun, wird es noch einmal richtig spannend.”
Angesichts
der deutlichen Überlegenheit des Gegners hielt sich die Kritik der
Stuttgarter an der Fehlentscheidung von Felix Brych in Grenzen. Beim
Treffer zum 2:0 übersah der Schiedsrichter aus München ein Foul des
Torschützen Santana an Jens Lehmann.
Brych zeigte sich nach
Spielende teilweise einsichtig: “Häufig monieren die Spieler, dass zu
früh abgepfiffen wird. Ich bin ein Schiedsrichter, der mehr laufen
lässt, um den Spielfluss nicht zu unterbrechen, mehr die englische
Linie. Beim 2:0 hätte ich vielleicht abpfeifen sollen, bei
grenzwertigen Entscheidungen ist das eben zum Nachteil des Betroffenen.
In England würde so etwas auch nicht gepfiffen werden.”







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